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Stadt Memmingen
Kindertageseinrichtungen

Weinmarkt 10-12 (2. OG)
87700 Memmingen

Tel. 08331/850-462
Fax 08331/850-433

kita(at)memmingen.de

Geschichte der KiTa-Waldstation auf dem Madlenerberg

Der Madlenerberg und das darauf befindliche Anwesen wurde vom bekannten Memminger Maler Josef Madlener (1881-1967) und nach dessen Tod von seiner ebenfalls als Malerin tätigen Tochter Julie Madlener (1910-1999) als Rückzugsort und Atelier genutzt.

Das Gelände wurde von der Familie Madlener bereits im Jahre 1975 für einen "öffentlichen Zweck insbesondere zur Verwendung als Kindergarten" und für die Jugendarbeit gestiftet. So nutzen die Pfadfinderschaft Kreuzträger (CPK) das Haupthaus, die Kindertageseinrichtungen die eigens hierfür nun neu errichtete Waldstation.

Seit 1999 ist auch der künstlerische Nachlass der Familie Madlener im Besitz der Stadt Memmingen. Das Madlener-Werk ist seit 2005 Sammlungsbestand der MEWO-Kunsthalle.

Die Geschichte unserer Kindertageseinrichtungen

Die Kindertageseinrichtungen in Memmingen können auf eine lange Geschichte zurück blicken. Diese reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Beispielhaft sei hier zunächst die Geschichte der KiTas in der heutigen Stadtweiherstraße und ihrer unmittelbaren Vorgänger aufgeführt:

Politische, wirtschaftliche und soziale Veränderungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts begründeten einerseits die Verschlechterung der Lebensbedingungen einer breiten Bevölkerungsschicht, andererseits entstanden dadurch im aufgeklärten Bürgertum andere, neue Vorstellungen über Familie und Kindererziehung mit frühpädagogischen Ansätzen. Als Reaktion darauf wurden in Deutschland sogenannte „Klein-kinderbewahranstalten“ eingerichtet, in denen Waisenkinder und Kinder berufstätiger Eltern ganztägig betreut und versorgt werden konnten.

So wurde auch in Memmingen bereits am 10.01.1848 eine solche Anstalt eröffnet: Damit war die erste Memminger Kindertageseinrichtung gegründet. Der Stadtmagistrat warb im Memminger Wochenblatt mit folgenden Worten für die neue Einrichtung für Kinder zwischen zwei und sechs Jahren:

„Der große Vortheil, der aber durch eine derartige Unterbringung der Kinder für die Entwicklung ihrer Verstandeskräfte, für Liebe zur Reinlichkeit und durch die Ordnung selbst für ein kräftiges körperliches Gedeihen derselben erzielt wird, muß wohl jedem von selbst einleuchten, während dadurch den Eltern Gelegenheit gegeben ist, sorglos den ganzen Tag über der Arbeit nachgehen zu können.“

140 Kinder wurden ab Januar 1848 in dieser ersten Memminger "Kleinkinderbewahranstalt" in Räumen der Unterhospitalstiftung am Hallhof betreut. Im Jahr 1852 waren es bereits mehr als doppelt so viele.

Die Leitung der Anstalt übernahm bis 1854 die protestantische Memmingerin Caroline Rheineck. Die spätere Diakonissin prägte mit ihrer religiösen und pädagogischen Ausrichtung die Betreuung in der Kleinkinderbewahranstalt so positiv, dass „die Anstalt aus ihrem ursprünglichen Charakter einer Bewahranstalt heraustreten und zu einer Erziehungsanstalt werden konnte“ - so der Stadtmagistrat 1852 in einem lobenden Bericht an die Regierung von Schwaben.

Aufgrund des stetig steigenden Bedarfs wurde 1863 die Kleinkinderbewahranstalt in die Armen- und Beschäftigungsanstalt an den Reichshain verlegt, 1871 kamen auf Betreiben des Stadtmagistrats Diakonissen aus Neuendettelsau nach Memmingen, um die Kinder in dieser Einrichtung zu betreuen und begründeten damit eine Tradition, die erst hundert Jahre später mit dem Weggang der letzten Diakonissin enden sollte. 1938 erfolgte schließlich der Umzug der nun als „evangelische Kleinkinderschule“ benannten Anstalt in das ehemalige Lagergebäude von Unglehrt in der Stadtweiherstraße.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurde die Einrichtung als Kindergarten weitergeführt und 1960 baulich erweitert. Bis heute existiert also die erste Memminger Kleinkinderbewahranstalt - nun als Kinderkrippe der Unterhospitalstiftung - an der Stadtweiherstraße.

Nachdem der Anteil der katholischen Bevölkerung im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts stetig wuchs, wurde 1890 die Einrichtung St. Hildegard gegründet. Diese wurde von den Mallersdorfer Schwestern geleitet. Nach mehreren Standorten (Künergasse, Zwinggasse) hat diese KiTa seit 1932 in der Lindenbadstraße, dem ehemaligen Gutmannschen Fabrikgebäude, ihre Heimat gefunden. Dort ist sie heute wichtiger Bestandteil des Leistungsangebotes der Katholischen Jugendfürsorge, die als Träger den gesamten Komplex grundlegend saniert und modernisiert hat und dort neben der KiTa eine Vielzahl von Familien- und Jugendhilfeleistungen anbietet. 

Neben den konfessionell geprägten KiTas entstanden auch Einrichtungen durch Privatinitiativen von Memminger Bürgern: 1916 eröffnete Lydia Kleyer - Tochter eines Studienrates und Autoren pädagogischer Werke - auf Bitte von "Jungmüttern" den Fröbelkindergarten, der sich ganz der Form der Fröbelschen Frühpädagogik ver-schrieben hatte. Mittlerweile befindet sich diese KiTa in Trägerschaft der Stadt Memmingen, führt diese Tradition jedoch sowohl im Namen wie auch in ihrer Pädagogik fort.

Dieses besondere persönliche Engagement der Bürgerschaft spiegelt sich aber auch heute noch immer wieder in der Betreuungslandschaft wieder: So errichtete 2011 der eigens für diesen Zweck gegründete Verein Königskinder e.V. am Königsgraben eine neue Kinderkrippe für Unterdreijährige.

Mittlerweile werden in Memmingen von 10 Trägern in 26 Kindertageseinrichtungen fast 90 KiTa-Gruppen betrieben. Zwischen 1600 und 1700 Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren werden dort betreut. Die Stadt Memmingen und die freien Träger kommen damit ihrem Auftrag nach, ein vielfältiges und bedarfsorientiertes Betreuungs- und Erziehungsangebot für die Familien in Memmingen anzubieten, und führen damit eine lange und bewährte Tradition in dieser Stadt fort.

Quelle: Engelhard, Christoph, Kindergärten in Memmingen 1848-1998
(Materialien zur Memminger Stadtgeschichte), Memmingen 1998.

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